"Hören und Gehorchen" das ist der Name des Reliefs an der Bühnenwand im großen Saal des Gemeinschaftshauses Lutherplatz, Hans-Sachs-Straße 37. Geschaffen wurde es vom Künstler Tobias Michael aus Lauter. Nachfolgend einige Gedanken zur Interpretation von Reinhard Geyer:
Der überdimensional lange Querbalken deutet die Unendlichkeit des Weges Gottes
mit der Menschheit und seiner Liebe zu uns an, deren Mittelpunkt Jesus ist. Gott
ist "von Ewigkeit zu Ewigkeit". Der Querbalken wird gesehen als Zeitlinie.
Er hat keinen geraden Schnitt, weder am Anfang noch am Ende.Gottes Geschichte mit dem
Menschen beginnt nach dem biblischen Bericht bei Adam und Eva, geht weiter über die
alten Väter des Volkes Israel (angedeutet in den Gebäudeformen aus dem Orient), findet
ihreFortsetzung imn unserer Zeit und Welt (Gebäudeformen aus unseren Breiten) und hat
noch keit Ende. Jeder einzelne Mesch ist ein Teil der Geschichte Gottes. Hält man ein
Lineal an die Kanten des Querbalkens, so stellt man fest, dass nur die obere Kante eine
gerade Linie darstellt, die untere jedoch links und rechts nach oben abweicht.
Auch das ist eine Zeichen dafür, das Gott aus seiner Ewigkeit in unsere Geschichte
hinein kommt und uns mit in seine Ewigkeit hinein nimmt.
Das Kreuz in seiner eigentlichen Form hat seine Begrenzung an den gekennzeichneten
Linien. Es ist Zeichen der Schuld des Menschen, die ihn von Gott trennt (der durchgehende
Querbalken) und damit seiner Verlorenheit. Allein durch das Leiden und Sterben
Jesu am Kreuz wird diese Kluft überbrückt (im wahrsten Sinn des Wortes). Damit ist die
Verbindung Gott-Mensch wieder hergestellt. Die einzelnen Holzklötze deuten die Brocken
der Sünde der Menschen an, die Jesus ans Kreuz geschlagen hat. Oder auch Schuldscheine.
Jeder Mensch, heute und bis ans Ende der Welt, hat die Chance, seine Schuld ans Kreuz
Jesu zu heften und dort zu lassen. Er muss sie nicht weiter mit sich herumschleppen.
Die Unterkante der Figurengruppen als eine Linie gesehen lässt einen großen Kreisausschnitt
erkennen. Der Auftrag Jesu an seine Jünger: "Gehet hin in alle Welt..." wird damit
deutlich gemacht (Weltkugel). Zugleich aber auch die weltumspannende Einheit der Gemeinde Jesu.
man kann diese Linie aber auch noch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Die Linie (das Leben)
des Menschen kommt "von unten" und endet wieder "unten", wenn er nicht ans
Kreuz Jesu "angebunden" ist und damit die "Lebenslinie Gottes" für ihn die
Richtung angibt (von oben nach oben, siehe Punkt 1)
Die Dornenkrone deutet die dunkelsten Stunden im Leben Jesu an. Deshalb ist sie im Vergleich zur
"Heilslinie Gottes" in dunklem Holz dargestellt.
Die zentrale Mitte des gesamten Bildes nicht nur optisch, sondern auch in seiner
"Auslegung" ist Jesus. Er ist dargestellt als der gekreuzigte und erhöhte Herr der
Gemeinde. Nicht als Übermensch oder als Supermann. Er ist der erhöhte Herr und zugleich einer
von uns. Der Kreis der Jünger (Gemeinde) ist um ihn versammelt und hört auf ihn.
Man erkennt das angestrengte Hören. Die Ohren sind ihm zugewandt, um ja nichts zu verpassen,
was er sagt. Die Gemeinde ist eins (geschlossener Halbkreis) im Hören auf Jesus. Sie ist keine
"geschlossene Gesellschaft". Bevor Jesus seine Jünger sendet, ist er immer der Gebende.
Die geöffneten Hände machen das deutlich.
Von links nach rechts, nach Matthäus 25, 35 ff:
Ich bin hungrig und durstig, ein Fremdling, krank, nackt und gefangen gewesen und ihr
habt mir gedient (oder auch nicht). Derer, die Hilfe benötigen sind mehr als derer,
die Hilfe geben (vier Helfer, sechs Hilfsbedürftige). Das ist bis heute Realität in der Welt.
Das Thema des Bildes "Hören und Gehorchen" will sagen: "Diakonie" ist mehr
als Mitmenschlichkeit. Dem Auftrag Jesu gehorchend gehen Menschen los und geben mit der Tat die
Liebe Jesu weiter. Wo Menschen Jesus ernst nehmen und mit ihm leben wollen, können sie an der Not
der Menschen in ihrem Umfeld (dort beginnt es immer!) nicht achtlos vorüber gehen.
Zusammen mit den beiden anderen Bibelworten im Saal, "Einer ist Euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder" (über der Bühne) und "Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein" (an der Rückwand) bilden die Aussagen dieses Reliefs eine wunderbare Einheit, die unsere wesentlichen Ziele wiederspiegelt. Nicht zuletzt deshalb wurde auch ein gestalteter Bild-Ausschnitt dieses Reliefs als Hintergrund für diese Website gewählt.
| Zuletzt bearbeitet: 28.12.2004 | Autor: Reinhard Geyer |